Montag, 23. April 2018

Kendo und gutes Brot

Der kleine Garten auf dem Campus, man sieht,
dass der Sommer auch hier inzwischen Einzug
hält.
Zwei Sachen, die nicht viel miteinander zu tun haben, aber in der gleichen Woche passiert sind ;-).
Am Dienstag Abend war ich das erste Mal im Kendounterricht. Kendo ist eine stark versportlichte Form des japanischen Schwertkampfes mit Bambusschwerten, Shinai genannt. Da ich in Deutschland mittelalterliches Fechten gemacht habe und es hier keinen Kenjutsuzirkel gibt, habe ich mich dafür entschieden. Die anderen Mitglieder sind sehr nett und finden es toll, dass ich bei ihnen mitmachen möchte. Sie sind auch ziemlich interessiert an meinem alten Kampfsport und wir reden öfter über Unterschiede zwischen Kendo und Fechten.
 Das einzige Problem ist, dass sie keine Rüstung haben, die groß genug für mich ist, insbesondere meine Hände sind zu breit für die Handschuhe. Aber sie kümmern sich netterweise für mich drum. Heute am Sonntag war ich nochmal da und habe weiter die grundsätzlichen Bewegungen und Schläge geübt. Das wohl beeindruckendste Mitglied ist eine Studentin, die mir gerade mal bis zum Bauchnabel geht, aber wenn sie ihre Rüstung anhat und einen anschreit, möchte man so schnell wie möglich rennen :-D.
Ein Grünteedonut, den ich in der Mensa
erworben habe. Sieht übel aus, schmeckt
aber gut!

Am Mittwoch war ich wie immer im Seminar, in dem mein Professor ein Paper über digitale Wassermarken in Spektroskopie vorgestellt hat. Dieses Paper war deutlich besser als das letzte Woche. Den restlichen Tag arbeitete ich an meinem Vortrag Ende Mai, der wohl ziemlich umfangreich wird ^_^''.
Was ich beinahe vergessen habe: Am Dienstag Morgen hatte ich das erste Mal den freiwilligen Sprachkurs auf dem Aobayamacampus. Ich war der einzige Teilnehmer. Die Lehrerin hat mir einige Fragen auf Japanisch gestellt, die ich aufgrund mangelnden Vokabulars zwar verstanden habe, aber nicht sehr ausführlich beantworten konnte. Danach gingen wir die Lektion im Lehrbuch durch und sind auf eine Menge Probleme gestoßen, da meine Terminologie sich sehr von ihrer unterscheidet. Die Konjugationen und sonstigen grammatischen Form konnte ich ziemlich gut, aber die Vokabelabfrage lief nicht besonders. Am Ende war sie mir gegenüber irgendwie agressiv, ich weiß nicht ganz warum, und als ich sie nach ihrem Namen gefragt habe, kam eine sehr kurz angebundene Frage zurück, wofür ich den möchte. Wenn das so weitergeht, beschwere ich mich bei ihr, ich habe keine große Lust mich so behandeln zu lassen.
Endlich richtiges Brot!
Ansonsten ist unter der Woche nicht viel passiert, am Wochenende haben dann ein Kommilitone und ich das "Brotfestival" gesucht. Das bestand aus drei Ständen mit einfachem Gebäck, war also eher enttäuschend. Aber zum Glück haben wir danach eine kleine Bäckerei gefunden, die etwas anderes als Toast herstellt! Es ist zwar vergleichsweise teuer, aber das Brot ist echt gut und wird anscheinend komplett in Handarbeit gemacht. Die deutsche Sektion hier hat Freudentänze gemacht :-D.
Ausblick über Sendai von einem
dreißigstöckigen Hochhaus, in dem gerade eine
Hochzeit gefeiert wurde. Wir sind trotzdem
reingelassen worden :-P.
Am Samstag Abend war dann eine typische Tanzparty im internationalen Wohnheim, dort habe ich noch ein paar andere Studenten kennengelernt. Aber die Tanzfläche war ziemlich leer und keine passende Musik für Standard- oder Lateintänze (und nicht meine Tanzpartnerin) :-P. Also wurde es eher eine Laber- als eine Tanzparty.
Am gleichen Abend habe ich dann mit meiner Brettspielgruppe des Saarbrücker Wohnheims über Skype ein Brettspiel gespielt. Die moderne Technik macht einiges möglich!

Montag, 16. April 2018

Seminar, Vorlesungen, Journal Club und mein Fahrrad

So sieht ein Klapprad in einem Paket aus. Es
ist erstaunlich schnell gekommen und
musste dann nur noch zusammengebaut werden.
Das Seminar am Mittwoch morgen war etwas früh und ich habe nur die Hälfte verstanden. Nämlich nur die Sachen, die mir in Englisch erklärt wurden :-D. Es gibt immer ein großes Seminar und danach ein Seminar der Untergruppe, in meinem Fall mit der Pi-Konjugierte-Elektronen-System-Gruppe.
Und so sieht es zusammengebaut aus, das rote
Rad in der Mitte des Bildes.
Im großen Seminar stellt jede Woche jemand seine Recherchearbeit oder Forschungsergebnisse vor. Ich soll im Mai meine Arbeit an der Uni des Saarlandes behandeln, das wird hauptsächlich meine Bachelorarbeit werden. Nach der Sitzung war ich dann noch in der Japankulturvorlesung.
Von dieser habe ich mir etwas anderes erhofft, als angeboten wurde. Die Vorlesung ist sehr stark auf sehr lokale Kultur und die Reparaturarbeiten nach dem Erdbeben 2011 ausgerichtet. Außerhalb der Exkursionen habe ich nicht das Gefühl, viel über die japanische Kultur dort zu lernen, eher welche Baseballspieler im Moment berühmt sind. Außerdem finde ich es immer etwas kritisch, wenn ein Dozent in der ersten Vorlesung sagt, dass man ein Buch benötigt, das er mitgeschrieben hat...
Am Donnerstag bin ich dann in die Biophysikvorlesung gegangen. Diese ist eher so aufgebaut, wie ich Vorlesungen mag: mehr Diskussion, weniger von Folien ablesen. Außerdem ist das Thema (wie baue ich eine minimale Zelle aus Molekülen und physikalischen Prinzipien) ziemlich interessant und was vollkommen Neues für mich. Der Professor meinte aber, dass das gar kein Problem sei und er es toll fände, wenn ich bei der Vorlesung bleibe. Das werde ich auch :-D.
Abends hatte ich dann mit meinen Mitbewohnern eine Art japanisches Fondue: eine heiße Herdplatte in die Mitte des Tisches und Essen drauf. Ziemlich einfach, aber lecker. Super wurde der Abend dann, als Ken ein kleines Brettspiel ausgepackt hat! Ich war schon ganz auf dem Trockenen nach meinen anderthalb Jahren wöchentlichen Brettspielprogramms.
Am Freitag war dann der Journal Club, in dem ein Paper vorgestellt und diskutiert wurde. Was mir dabei aufgefallen ist: an meiner Uni wurde der Fokus immer relativ stark auf die Mess- oder Simulationsdaten gelegt und es war wichtig, dass Abweichungen diskutiert wurden. Hier war ich der Einzige, der die Messdaten überhaupt angesprochen hat! Und es gab bei diesem Paper eindeutig genug Diskussionspotential. Die anderen Studenten haben sich kaum an der Diskussion beteiligt und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass der Vortragende irgendwann etwas genervt von meinen Fragen war. Obwohl uns gesagt wurde, dass wir viele Fragen stellen sollen.
Danach ging es dann zur Hochenergiephysikvorlesung. Das ist, habe ich dann vor Ort rausgefunden, ein Drittel des Stoffes von unserer theoretischen Physik 5 im gleichen Zeitrahmen. Und man darf die Klausur am Ende mit nach Hause nehmen.
Die Sonnensystemphysik habe ich übrigens verpasst, da ich den Termin falsch aus dem Dokument abgelesen habe. Ergebnis der Vorlesungen: ich werde Biophysik und Elektrodynamik in Festkörpern hören, da ich das Gefühl habe, von diesen Vorlesungen das Meiste mitnehmen zu können. Morgen gehe ich noch zu dem Sprachkurs auf dem Campus und schaue in welche Stufe ich eingeteilt werde.
Das Wochenende war recht ruhig, ich habe aber wieder mal einiges über C Compiler gelernt :-). Und am Sonntag wollte ich ins Kendo gehen, doch da war niemand. Glücklicherweise habe ich einen Japaner getroffen, der mir helfen konnte, sodass ich jetzt Kontakt zu dem Kendozirkel habe. Morgen soll ich dann nochmal kommen, bin mal gespannt.
Mein Fahrrad ist auch gekommen und funktioniert super! Es tut gut, mal nicht überall hinlaufen zu müssen, aber ich muss mich noch ans Rad fahren und den Verkehr gewöhnen. Der Berg zum Campus ist sowohl beim Hoch-, als auch beim Runterfahren anspruchsvoll, aber mit der Zeit dürfte ich mich dran gewöhnen.

Dienstag, 10. April 2018

Party Hard! ...und Vorlesungen

Der erste Park, den ich während des Kirsch-
blütenfests besucht habe. Auf der rechten Seite
sind einige Essenstände aufgebaut.

Ein Kirschblütenbaum, der auf dem Gelände
steht, auf dem meine Arbeitsgruppe die
Feier abgehalten hat.
 Die letzten Tage hatte ich viele Einladungen zu verschiedenen Partys und anderen Veranstaltungen. Ich glaube das war der studentischste Teil meines Studentenlebens, den ich bisher hatte :-P.
Der erste Termin war wie angekündigt die DnD-Gruppe. Das hat viel Spaß gemacht und wir schauen, dass wir einen regelmäßigen Termin finden, zumindest bis die Hälfte von uns wieder nach Hause fliegt. Ganz klassisch durften wir erstmal eine Rattenplage bekämpfen :-D.
Am Tag darauf war dann die Vorstellungsrunde meiner Arbeitsgruppe. Anfangs hielten wir unsere Präsentationen, wobei die meisten auf japanisch waren. Die Studenten (und einige Professoren) sprechen nicht besonders gut Englisch, wobei sie sich trotzdem oft anstrengen. Jedenfalls bin ich mir nicht ganz sicher, was von meiner Präsentation angekommen ist, aber den Teil mit dem Schwertkampf dürften die meisten verstanden haben.
Danach gab es eine lange Sicherheits- und Forschungsethikeinweisung. Anschließend ging es in die Stadt in eine sogenannte "Taverne". Das bedeutet, dass man einen festen Betrag zahlt (als Neuankömmling war es für mich kostenlos) und dann 2 Stunden lang so viel trinken kann, wie man möchte. Zusätzlich kommt nach und nach Essen an den Tisch. Hier habe ich dann auch das erste Mal die lokale Spezialität, Rinderzunge, probiert. Schmeckt ganz gut, die Konsistenz ist etwas gummiartig. An dem Abend habe ich viel mit meinen Kollegen und Kommilitonen geredet und ein wenig über alle herausgefunden.
Der älteste Professor, und damit der Chef der Gruppe, hat sich auch mit mir unterhalten und kommentiert, dass ich trotz meiner deutschen Wurzeln ja wenig Alkohol trinken würde. Schön zu sehen, dass sich solche Vorurteile auch nach Osten verbreiten ;-).

Selbstgekochtes Essen: Sobanudeln, Gemüse
und etwas Fleisch, das ich noch gewürzt habe.
Das ganze noch mit Sojasoße ablöschen und
man hat ein einfaches, schmackhaftes
Abendessen.

Ein Kirschbaum an dem Osaki-Hachiman-Schrein,
der sogar halb das zweite Eingangstor ver-
deckt. Anscheinend war auch kurz vorher eine
Zeremonie dort, es sind nämlich ein paar Miko
(die Schreinverwalterinnen) herumgelaufen.
Von denen konnte ich aber leider kein Bild
machen.
 Am Tag darauf war dann die Willkommensfeier des Wohnheimkomplexes. Wir wurden wild durchgemischt und mussten ein Quiz bestreiten, bei dem meine Mitstreiter überfordert waren, die Fragen zu übersetzen. Entsprechend haben wir nicht besonders gut abgeschnitten, die Gewinner durften sich etwas von einem Preistisch aussuchen. Danach gab es dann die japanische Version eines Büffets: große Teller mit Essen darauf und viele Essstäbchen. Kleine Teller gab es nur für das Curry, außerdem gab es frittiertes Hühnchen und Bohnen.
Da die Party pünktlich um 21:00 endete, sind wir dann noch in eine nahe Bar gegangen. Dort hat eine andere Deutsche dann einen Doktoranden getroffen, der in ihrer Gruppe arbeitet. Er ist aus Nigeria und hat uns viel über Japan und sein Heimatland erzählt.
Am Montag gab es dann Informationen zu dem Sprachprogramm hier, was einen eigenen Post füllen würde. Kurz gesagt: ich muss noch warten, bevor ich weiß, ob ich den Sprachkurs der Uni in Anspruch nehmen kann. Danach ging ich dann in meine erste japanische Vorlesung.
Da ich 4 Credit Points belegen muss und nicht weiß, ob ich den Sprachkurs nehmen kann, schaue ich mir diese Woche verschiedene Vorlesungen an. Das sind alle fortgeschrittene Mastervorlesungen, da COLABS ein Masterprogramm ist. Die erste war "Electrodynamics of Solids", darin geht es um lineare und nichtlineare Antworten von Festkörpern auf einfallendes Licht. Was wir aber in der ersten Vorlesung gemacht haben, war ein paar Größen zu definieren und die Maxwellgleichungen aufzustellen. Für die Nichtphysiker: Das sind die Gleichungen, die das klassische Verhalten elektromagnetischer Strahlung (also Licht) komplett beschreiben. Das was wir da gemacht haben, war Stoff des zweiten Semesters im Bachelor an der Uni des Saarlandes.
Und es war nicht nur eine Wiederholung, sondern sehr ausführlich. Der Professor hat auch öfter Fragen gestellt, auf die die anderen Studenten nie reagiert haben. Irgendwann habe ich mich halt gemeldet, weil ich es nicht mehr aushielt ^_^''.
Die zweite Vorlesung, die ich heute gehört habe, war jedoch noch schlimmer. Der Stoff an sich war zwar etwas fortgeschrittener (5. Bachelorsemester), aber das habe ich auch schon alles zuhause gemacht. Zusätzlich hat dieser Professor in sehr stark stockendem Englisch nur die Folien vorgelesen, die wir auch am Anfang als Ausdruck bekamen. In dieser Vorlesung (Advanced Theory of Electrons in Solids) geht es um Elektronen in Festkörpern und verschiedene Phänomene, die die Wechselwirkung zwischen Elektronen und Kristallstuktur bewirkt.
Am Donnerstag kommt dann eine Biophysikvorlesung, hier bin ich mal gespannt, ob ich was verstehe, da mein biologischer Hintergrund gegen Null geht. Und am Freitag Hochenergiephysik sowie Planetenkunde, auf diese setze ich im Moment ein wenig meine Hoffnung, dass sie mir gefallen werden. Übungsaufgaben werden übrigens vereinzelt in der Vorlesung verteilt und waren bisher nur Sachen, die in 15 Minuten machbar sind.
Am Montagnachmittag war ich dann noch mit meiner Arbeitsgruppe auf dem Hanamifest. Das war in dem Fall ein Verbund verschiedener Festkörperphysikgruppen, es gab Essen, Trinken und Konversation. Hier habe ich sehr viel mit Yusuf geredet, der auch aus Nigeria kommt und in Sendai bald mit seinem Doktor anfängt. Der Gute hat eine ganz schön internationale Laufbahn hinter sich :-D. Morgen ist dann das erste Gruppenseminar, mal schauen, wie das so abläuft.

Donnerstag, 5. April 2018

Die Arbeitsgruppe, Yamadera und die letzten Vorbereitungen

Ein Ausblick von der zentralen Brücke in Yamadera auf
den Fluss und ein paar Wohngebäude. Oben ist das Dorf
vom Schrein aus zu sehen.
Am Montag habe ich Professor Yoshizawa getroffen und mit ihm ein paar grundlegende Fragen geklärt. Er ist sehr nett und hat mir auch schon gesagt, wer mein Tutor und mein Forschungspartner sind. Dieses Semester fangen 4 neue Masterstudenten bei ihm an, ich bin da der fünfte im Bunde. Ich werde mit denen zusammen eine Vorlesung/ein Seminar zu dem Forschungsgebiet hören, das Fachbuch lesen, einführende Experimente in den Laboren durchführen und lernen, die Geräte zu bedienen. Das ist mein erstes Semester, im zweiten werde ich dann an meinem Forschungsprojekt arbeiten. Da es so viele Neuankömmlinge gibt, machen wir eine große Vorstellungsrunde morgen am Freitag, wofür ich sogar eine kurze Präsentation erstellen soll! Das habe ich schon gemacht, bin mal gespannt wie es ankommt.

Eine der Eingangspforten zum unteren Teil des Schreins, es
ist das erste Steintor, das ich gesehen habe. Wir sind
aber noch weiter gelaufen und dann hoch zum Schrein.
Danach habe ich eine Führung durch die Büros bekommen, wo ich einige Doktoranden und andere Studenten getroffen habe. Auch mein Arbeitsplatz wurde mir schon gezeigt, ich bekomme einen PC mit einer englischen WIndows 7-Version. Träume sehen anders aus, aber wenigstens ist es nicht in Japanisch ;-). Morgen besprechen wir dann meinen Arbeitsplan, haben die Präsentationen und gehen danach in die Stadt zusammen essen. Am Montag ist auch ein Hanamifest (die Kirschblütenfeiern) der Fakultät, da habe ich ebenfalls vor teilzunehmen.

Das Hauptgebäude des unteren Schreins mit
einer buddhistischen Statue im Heiligtum. Es
ist laut Infotafel der erste Schrein, der mit einer
bestimmten Holzsorte gebaut wurde.
Am Dienstag war die Orientierungsveranstaltung der internationalen Studenten, bei der wir einige Tipps für das Leben in Sendai bekommen haben. Die bestanden hauptsächlich aus 'Nehmt keine Drogen', 'Verhaltet euch richtig im Straßenverkehr', 'Nehmt keine Drogen', 'Passt auf, wenn ihr Verträge abschließt' und 'Nehmt keine Drogen'. Letztes Jahr wurden ein paar internationale Studenten erwischt, wie sie Drogen gekauft haben und wurden deswegen eingesperrt, exmatrikuliert und des Landes verwiesen. Zusätzlich hat die Universität deswegen jetzt Probleme bekommen, da einige unterstützende Organisationen ihr die Mittel gestrichen haben. Entsprechend paranoid ist die Universitätsverwaltung jetzt. Die Belehrung kommt daher auch immer und immer wieder. Wenigstens waren die anderen Teile gut aufbereitet, die Polizei hat da ein kleines Theaterstück aufgeführt :-D.

Die buddhistische Statue in der Nahaufnahme.
Unter ihr ist eine Spendenbox, wie man sie an
vielen Orten findet.
Danach wurden wir mit Flyern aller möglicher Organisationen bombadiert, die ich noch in Ruhe durchgehen muss. Interessant ist das Wiederaufbauprogramm der Region nach dem schweren Erdbeben 2011. Sendai selber sieht man es zwar gar nicht mehr an, dass es getroffen wurde, aber ein paar Regionen sind wohl immer noch betroffen. Ich habe jetzt auch schon einmal eine kleine Erschütterung gespürt, erst dachte ich, dass ein Mitbewohner die Tür zu stark zugeschlagen hatte, aber die anderen Studenten haben es auch mitbekommen.

Mittwoch morgen bin ich dann mit den anderen deutschen Studenten nach
Eine Statue, vermutlich eines Gelehrten oder
eines Herrschers der Gegend.
Yamadera (山寺) mit dem Zug gefahren. Der Ortsname heißt so viel wie 'Bergtempel' und das trifft es auch außerordentlich gut. Es ist ein kleiner, sehr verschlafener Ort an einem Fluss weiter nördlich, in dessen Bergen ein alter buddhistischer Tempel ist. Diesen haben wir dann besichtigt, was zwar ein harter Anstieg war, sich aber eindeutig gelohnt hat, wie die Bilder in diesem Post bezeugen dürften. Anschließend haben wir dann Soba gegessen, das ist eine Nudelsorte aus Buchweizen. Ich habe Nikusoba (肉そば)gegessen, also eine Nudelsuppe mit Fleisch. Nur viel mehr war dort nicht, sodass wir dann am Nachmittag wieder zu Hause waren.

Am Abend hat dann der Verbund der internationalen Studenten der Universität
Ein Blick hoch vom ersten Drittel des Aufstiegs
aus. Der Rand oben in der Mitte ist ein Teil
des Schreinkomplexes, dürfte also einen
Eindruck der Höhe vermitteln.
einen Filmabend veranstaltet. Das Thema war 'Miyazaki', ein bekannter Regisseur des Studio Ghibli, deswegen gab es drei Filme von ihm zur Auswahl. Gewonnen hat 'Prinzessin Mononoke', den ich schon in Deutschland gesehen habe. Trotzdem hat es Spaß gemacht, ihn nochmal zu sehen und ein paar mehr der Dialoge zu verstehen :-D.

Heute fand dann endlich die große Orientierung des Programms statt, wobei lustigerweise der interessanteste Teil die Fragerunde am Ende war. Da haben sich dann einige Probleme und Fragen geklärt, sodass jetzt alles klar ist. Morgen bespreche ich mit meinem Professor die Arbeitszeiten und da will ich ihn überreden, mir Zeit für meinen Sprachkurs zu geben. Aber ich denke das müsste klappen. Auf der höchsten Stufe ist das Laborprogramm harte Kost, es wird mit 10 Stunden Arbeit am Tag veranschlagt, da wäre der Sprachkurs wohl nicht mehr drin. Deswegen muss ich dann die zweithöchste Stufe machen.

Diese Steine sind überall an den Wänden zu
sehen, wo die Löcher herkommen weiß ich
nicht. Sie sehen aber nicht aus, als wären
sie reingehauen worden. Vielleicht kannst du
helfen, Denise ;-)?
Danach bin ich mit ein paar Anderen auf dem Campus herumgelaufen, da die JASSO-Stipendiaten noch eine Orientierung hatten (auf dieser und auf der COLABS-Orientierung wurde uns wieder gesagt, dass wir keine Drogen nehmen sollen). Das war ganz interessant, da die Clubs hier gerade Mitglieder angeworben haben. Ein paar sind auch auf uns zugekommen und haben ihr Bestes gegeben, uns zu erklären, was sie machen. Leider habe ich den Kendo-Zirkel nicht gefunden, aber ich weiß wo ich nachfragen kann. Das mache ich dann auch, wenn ich meine Arbeitszeiten habe. Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen Clubs und Zirkeln: Clubs sind sehr intensiv, viele treffen sich jeden Tag und es wird erwartet, dass man nur in Notfällen nicht kommt. Ob das mit meinem Zeitplan vereinbar ist, weiß ich nicht, weswegen ich zu einem Zirkel tendiere, der eher wie unsere Hochschulgruppen oder Vereine funktionieren. Zum Glück gibt es das auch beim Kendo :-D.

Dann war ich das erste Mal in der Mensa, die gutes Essen zu akzeptablen
Eines der Gebäude des Schreins auf dem Berg,
im Anbau waren Gartengeräte gelagert.
Preisen hat. Wie hier oft so, sind die Portionen kleiner als bei uns, dafür kann man sich sehr frei aussuchen, was man haben möchte. Jeder Campus hat dazu noch seine eigene Mensa, die verschiedene Gerichte haben. Anschließend habe ich mir gebrauchte Fahrräder angeschaut und habe das Problem, das ich fast zu groß bin. Es geht gerade so, wenn ich ein normales Fahrrad auf die höchste Sattelstufe stelle, aber die Lenker sind meistens zu niedrig. Ich schaue morgen noch bei einem anderen Laden nach, da könnte es besser sein. Ein Kommilitone hier, der noch größer ist, wird wohl hoffen müssen, dass er irgendwo ein europäisches Fahrrad findet.

Heute Abend treffe ich mich dann noch das erste Mal mit meiner DnD-Gruppe,
Ein Blick auf das gleiche Gebäude von weiter
oben. Man sieht, dass die Bauwerke in den
Berg reingebaut wurden und wo die
Treppen langführen.
die sich hier gebildet hat. Ich probiere mich mal an einem Hexblade Warlock, der hört sich auf Papier und in meinem Kopf ganz spannend an ;-). Morgen ist dann die große Vorstellungsrunde und die Willkommensparty der Arbeitsgruppe, am Samstag die Willkommensparty des Wohnheims und am Sonntag überlegen wir nach Matsushima zu fahren, solange wir noch nicht in Arbeit versunken sind.
Das Hauptgebäude des Schreins auf dem Berg und das Ende der Kletterpartie.
Das rote kleine Gebäude scheint sehr wichtig für den Schrein zu sein, was seine Funktion ist,
weiß ich jedoch nicht.

Ein Ausblick von ganz oben, leider sind auch hier überall Oberleitungen.

Ein religiöses Objekt irgendeiner Art und alte Gräber im Hintergrund. Leider ist die meiste
Information nur auf japanisch, sodass ich nicht viel zu den Funktionen sagen kann.

Der Ausblick auf das Tal und die nächsten hohen Berge. Da es weiter im Norden ist, liegt
an manchen Stellen sogar noch Schnee.

Die Gräber des Schreins in der Nahaufnahme. Die modernen japanischen Gräber sehen
jedoch etwas anders aus. Man findet hier aber immer wieder 100 Yen-Münzen an den
Stätten liegen.

Und nochmal der Ausblick, diesmal mit Stromleitungen von oben nach unten ;-).

Sonntag, 1. April 2018

Der Campus und der Berg

Der Fluss, der durch Sendai fließt. Ich vermute,
dass er im Moment nicht besonders viel
Wasser führt. Auf der Brücke ging ein ziemlich
starker Wind.
Damit ich morgen nicht zu spät zu meinem Treffen mit meinem Professor komme, bin ich vorgestern schon mal zum Campus gelaufen und habe sein Büro gesucht. Der Weg vom Wohnheim zum Fluss, der zwischen dem naturwissenschaftlichen Campus und dem Wohnheim liegt, ist recht angenehm und dauert auch nicht so lange. Man kommt dabei an einem großen Schrein vorbei, den ich mir auf dem Rückweg genauer angeschaut habe.

Doch der Weg hoch zum Campus ist brutal. Es ist nicht besonders weit, aber es geht ständig den Berg bei einer ziemlichen Steigung hoch. Da ich vorhabe, nicht mit dem Bus zu fahren, da es recht teuer ist, werde ich dort vermutlich täglich hochlaufen oder mit dem Rad fahren müssen. Ich sehe jetzt schon meinen Bauch schwinden und meine Beimuskulatur wachsen :-P (nicht, dass das was Schlechtes wäre).

Der Ausblick auf Sendai nach ungefähr 30%
des Weges nach oben. Mein Wohnheim ist
im Bereich links hinten.
Der Campus selbst ist recht hübsch und sehr ruhig, selbst für Semesterferien. Es hat etwas gedauert, bis ich das Physikgebäude gefunden habe, da es zwischen zwei anderen Gebäuden eingequetscht ist und die Beschilderung besser sein könnte. Im Foyer haben ein paar Leute Tischtennis gespielt, was ich als positives Zeichen sehe: sie scheinen nicht nur zu arbeiten ;-). Das Büro habe ich dann schnell gefunden.
Das große Eingangstor zu dem Schrein. Es steht
beinahe direkt am Straßenrand und wenn man
aus dem Bus aussteigt läuft man direkt rein.

Den Weg runter habe ich dann mit dem 'Sendai Loople' bestritten, einem Tourbus, der durch Sendai fährt. Da ich an einem Schrein in der Nähe des Wohnheims vorbeigekommen bin, habe ich mir den noch angesehen. Es handelt sich dabei um den 'Osaki Hachiman Schrein (大崎八幡宮前)', der von Date Masamune erbaut wurde. Laut den Tafeln und einem Besucherzettel dort werden auf dem Gelände mehrere Feste an Feiertagen abgehalten. Es ist ein recht großes Gelände mit mehreren Abzweigungen zu kleineren Gebäuden und einem langen Aufgang zum Hauptgebäude.
Das Hauptgebäude des Schreins, welches man
betreten kann. Innerhalb sind mehrere
Holzschnitte zu sehen.


Dieses steht auf einem großen Platz, auf dem mehrere kleinere Gebäude und andere Sachen stehen. Ich werde auf alle Fälle noch mit meiner richtigen Kamera zurückkommen und dort viele Bilder machen. Das eigentliche Heiligtum kann man nicht betreten, aber es im hinteren Teil des Platzes betrachten.

Gestern habe ich dann den ganzen Tag auf meine SIM-Karte gewartet. Für alle, die auch mal nach Japan wollen und dort Internet brauchen: Aufpassen! Viele Verträge laufen über 2 Jahre und haben horrende Kündigungskosten, wenn man früher aus dem Vertrag aussteigen möchte. Im Internet findet man aber mit ein bisschen Recherche auch annehmbare Tarife. Aber jetzt habe ich eine japanische Telefonnummer und Internet zum Mitnehmen, was das Leben hier doch vereinfacht.
So trocknen die Leute hier in der Gegend in der
Wäsche und in Ermangelung einer Alternative
mach ich es auch so :-D. Ich muss mal meine
Mitbewohner fragen, was sie machen, wenn es
längere Zeit regnet.

Heute war Waschtag und ich habe den Italiener des Wohnheims (Lorenzo) kennengelernt. Er ist sehr nett und der erste Student, den ich treffe, der nicht ein MINT-Fach studiert! Er studiert Japanisch im Bachelor, also nicht sehr verwunderlich, dass er hier ist (das waren seine eigenen Worte ;-)).

Ich mache mir gleich mal Tofu mit Reis und dann kann ich heute Abend meinem Pen&Paper-Hobby weiter fröhnen! Die Deutschen, mit denen ich unterwegs war, waren daran auch interessiert und einer von ihnen hat sich dazu bereit erklärt, die Runde zu leiten. Ich bin mal gespannt :-).