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Ein weiteres Tor zu einem Schrein, diesmal in
Matsushima, einer Hafenstadt in der Nähe
von Sendai. |
Die letzten Tage war viel los, deswegen komme ich erst jetzt dazu, was Neues zu schreiben. Dafür gibt es umso mehr!
Unter der Woche ist eigentlich nur eine außergewöhnliche Sache passiert: Am Freitag hatte ich mit den anderen Studenten in der Arbeitsgruppe meinen ersten Versuch. Dabei sollten wir einen Farblaser aufbauen, also einen Laser, der als Medium ein Farbmittel verwendet. Diese wurden früher eingesetzt um verschiedene Wellenlängen durch unterschiedliche Farbmittel auswählen zu können, sind heutzutage aber nicht mehr sehr verbreitet.
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Der Schrein, zu dem das Tor führte, er ist recht
klein, aber im angrenzenden Friedhof ist etwas
Spannendes passiert! |
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Der Professor wollte unbedingt, dass jeder von uns vier selbst den Laser aufbaut und ich war der Letzte. Deshalb konnte ich mir das Ganze vorher schon ansehen.
Ich habe aber während der ganzen Zeit den anderen Studenten geholfen, da diese so etwas noch nie gemacht haben und ich damit schon etwas Erfahrung habe. Als es dann an die Messung der Intensität des Lasers ging, habe ich den Professor gefragt, ob der zweite sichtbare Peak ein Nachpulsen des Detektors wäre. Das ist ein Messartefakt des Detektorprinzips, welches durch zu starkes Laserlicht auftritt.
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Das Grab der Tochter von Date Masamune,
welches auf dem Gelände des Schreins ist. |
Mein Professor wusste erstmal gar nicht wovon ich rede, bis ich ihm erklärt habe, wie das auftreten kann. Wir haben dann ein paar Tests gemacht, mit denen man leicht rausfindet, ob das wirklich ein Nachpulsen ist und es scheint so zu sein. Er meinte am Ende, dass er sich um dieses Signal bisher noch nie Gedanken gemacht hat.
Ansonsten ist der Versuch gut gelaufen und ich habe in der Wartezeit mehr mit meinen Kommilitonen gesprochen, teils auf Englisch, teils auf Japanisch.
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Das Grab des Sohnes der Tochter von Date
Masamune, der der zweite Priester des
Schreins war. Die anderen Gräber sind von
anderen Priestern und alle gut erhalten. |
Ich verstehe mich inzwischen sehr gut mit ihnen und habe herausgefunden, dass es in Sendai ein Oktoberfest mit Bier und Wienern gibt. Ich habe die Befürchtung, dass ich da mitgezerrt werde um die Authentizität zu beurteilen :-P.
Am Wochenende war ich wieder im Kendo und gewöhne mich so langsam an die Bewegungen dort, wobei ich immer noch gegen mein Training aktiv angehen muss. Ein anderer internationaler Student hat jetzt auch angefangen, nämlich ein brasilianischer Doktorand.
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Eine klassische japanische Musikaufführung in
der Nähe des Schreins. An die Harmonien muss
man sich gewöhnen, aber ich finde das hat was
für sich. |
Er hat zwar schon in seinem Heimatland Kendo praktiziert, aber trotzdem bei meinen Übungen mitgemacht. Das hilft schon, da er gut zwischen den Japanern und mir übersetzen kann, wobei diese sich sehr viel Mühe geben, mir alles verständlich zu machen. Am Ende haben wir auch ein Gruppenbild gemacht, ich muss mal fragen, ob ich das bekommen kann.
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Eine Statue von der ich nicht genau weiß, was
sie repräsentiert, aber man findet diese an
allen möglichen Orten in der Gegend. Sie haben
immer rote Mützen und Halstücher an. |
Aufgrund einer komplizierten Verkettung von offiziellen und inoffiziellen Feiertagen hatten die anderen deutschen Studenten und ich am Montag frei, sodass wir unsere Reise nach Matsushima unternommen haben. Zur Erinnerung: Das ist eine Hafenstadt in der Nähe von Sendai, die für ihre Bucht mit vielen kleinen Inseln berühmt ist. Morgens ging es mit dem Fahrrad zum Bahnhof in Sendai und von dort mit dem Zug weiter. Die Bilder dieses Beitrags sind alle von dort.
Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten und Auftragen von massig Sonnencréme, die hier übrigens sündhaft teuer
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Eine äußerst verschmuste und
wohlgenährte Katze, die in der Nähe des
Schreins lebt. |
und nur in LSF 50 zu haben ist, fanden wir schließlich einen kleinen Schrein, von dem aus wir uns orientieren konnten. Im angrenzenden Friedhof haben wir dann den Gärtner getroffen und sind mit ihm ins Gespräch gekommen.
Als ich gefragt habe, ob ich ein Bild von einer Hütte auf dem Gelände machen dürfte, meinte er, dass das das Grab von Date Masamunes Tochter sei und er das gerne aufschließen kann. Zusätzlich dazu erklärte er uns etwas über die Bautechnik des Gebäudes und zeigte uns eine Höhle abseits, in der mehrere Priester begraben lagen.
Der Höhepunkt des Ganzen kam aber, als er fragte, was wir in Japan machen.
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Der Ausblick auf den Hafen von einem
erhöhten Punkt aus. Mit einer Fähre sind wir
später auch durch die Bucht gefahren. |
Nachdem wir erklärten, dass wir Studenten aus Sendai sind, meinte er, dass er da früher auch gearbeitet hat. Er hat nämlich zwei Doktortitel und ein paar Bücher über militärische Auseinandersetzungen in der Geschichte veröffentlicht. Zum Beispiel hat er sich mit den Konflikten in Jugoslawien auseinandergesetzt, das Gärtnern sein nur ein Hobby von ihm. Das zeigt wieder mal, dass man vorsichtig sein sollte, wenn man Menschen nach ihrem Äußeren beurteilen will ;-).
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Die Holzbrücke zum Naturschutzgebiet, das wir
später besuchten. |
Anschließend sind wir in Richtung eines größeren Schreins gegangen, den wir aber aufgrund eines hohen Eintrittspreises letztendlich nicht besuchten. Auf dem Weg sind wir aber an einer Musikaufführung vorbeigekommen, die spannend war. In dem Gebiet gab es auch kleinere Stände mit Souveniren und anderen lokalen Spezialitäten, sowie extravaganten Eiscrémesorten. Für Fisch- oder Quallengeschmack muss ich allerdings erst noch mehr Mut aufbauen.
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Es gibt in Matsushima viele dieser schief
gewachsenen Bäume, aber dieser hat ein sehr
schönes Motiv ergeben. |
Danach gingen wir an den Hafen und machten uns auf den Weg zum Naturschutzgebiet. Dieses ist eine kleinere Insel, die nur über eine lange Holzbrücke zu erreichen ist, auf der ein größerer Bereich anscheinend fortswirtschaftlich nicht bearbeitet wird. Neben vielen Bäumen und Mücken gibt es dort auch Geocaches! Einer der Studenten ist in der Szene etwas aktiv und hat zwei Verstecke auf der Insel gefunden.
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Ein Ausläufer des Parks, an dem man die steile
Klippe und Baumpracht bewundern kann. |
Einen kleinen Blumengarten gibt es dort auch und einen engen Pfad zum Strand. Alles in allem ein sehr schöner Ort, auf dem man gut rumkraxeln kann.
Danach sind wir zu einer Fähre gegangen um die Inseln in der Bucht zu sehen und in Shiogama, eine andere Hafenstadt weiter südlich, etwas zu Mittag zu essen. Die Ansagen auf dem Schiff waren netterweise in Englisch und in Japanisch, sodass wir ein wenig Kontext bekommen haben.
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Ein Bild von dem Ausläufer aus, mit Matsushima
und der Brücke im Hintergrund. |
Auf einer der Inseln hat Date Masamune anscheinend "Mondscheinpartys" gefeiert, was auch immer das bedeuten soll ;-). Die Fahrt war auch eine gute Möglichkeit sich von dem anstrengenden Tag etwas zu erholen.
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Eine Blume mit einer beeindruckenden Farbe
aus dem Garten auf der Insel. |
Nur war es nicht möglich ein bezahlbares Restaurant in Shiogama um ~16:00 zu finden. Wir wollten ursprünglich dort Sushi essen und sind prompt zu zwei Meistern gelaufen, die um die 15€ pro Rolle verlangen. Bestimmt außerordentlich gut, aber für Studenten unerschwinglich. Alles andere hatte
zu oder war nur eine Bar, in der man was trinken kann, sodass wir hungrig zurück nach Sendai gefahren sind.
Dort war es auch nicht so einfach etwas zu finden, aber letztendlich saßen wir vor etwas günstiger Nahrung. Ich hatte schwarzes Curry, das deutlich dunkler war, als normales, aber sonst nicht viel anders geschmeckt hat. Anschließend fuhren wir alle nach Hause und zumindest ich fiel erschöpft ins Bett.
Blöderweise hatte ich am nächsten Tag morgens schon meinen Sprachkurs, sodass ich nicht so lange schlafen konnte, wie ich wollte ;-). Der läuft inzwischen etwas besser, fühlt sich aber immer noch wie Krieg zwischen der Lehrerin und mir an. Zum Glück kam ein weiterer Student in den Kurs, wir sind jetzt 2 oder 3, der auch denkt, dass ihre Lehrmethoden grauenhaft sind. Ich musste bei ihr ziemlich stark nachhaken, bevor sie unter Protest eine grammatische Struktur erklärt hat, die sie vorher bei mir kritisierte.
Ansonsten läuft es aber an der Uni gut, ich hatte heute die letzte Veranstaltung dieser Woche dank der Feiertage. Ich war auch in der Bibliothek und habe ein paar Bücher ausgeliehen, in die ich mich bald mal werfen werde :-D.
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Ein weiterer Stufenbaum auf der Insel und ein
anderer Teil der Stadt im Hintergrund. |
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Eine Stein"brücke" zu einer anderen kleinen
Insel, sie sah aber nicht so aus, als sollte man
darauf laufen :-P. |