Dienstag, 10. April 2018

Party Hard! ...und Vorlesungen

Der erste Park, den ich während des Kirsch-
blütenfests besucht habe. Auf der rechten Seite
sind einige Essenstände aufgebaut.

Ein Kirschblütenbaum, der auf dem Gelände
steht, auf dem meine Arbeitsgruppe die
Feier abgehalten hat.
 Die letzten Tage hatte ich viele Einladungen zu verschiedenen Partys und anderen Veranstaltungen. Ich glaube das war der studentischste Teil meines Studentenlebens, den ich bisher hatte :-P.
Der erste Termin war wie angekündigt die DnD-Gruppe. Das hat viel Spaß gemacht und wir schauen, dass wir einen regelmäßigen Termin finden, zumindest bis die Hälfte von uns wieder nach Hause fliegt. Ganz klassisch durften wir erstmal eine Rattenplage bekämpfen :-D.
Am Tag darauf war dann die Vorstellungsrunde meiner Arbeitsgruppe. Anfangs hielten wir unsere Präsentationen, wobei die meisten auf japanisch waren. Die Studenten (und einige Professoren) sprechen nicht besonders gut Englisch, wobei sie sich trotzdem oft anstrengen. Jedenfalls bin ich mir nicht ganz sicher, was von meiner Präsentation angekommen ist, aber den Teil mit dem Schwertkampf dürften die meisten verstanden haben.
Danach gab es eine lange Sicherheits- und Forschungsethikeinweisung. Anschließend ging es in die Stadt in eine sogenannte "Taverne". Das bedeutet, dass man einen festen Betrag zahlt (als Neuankömmling war es für mich kostenlos) und dann 2 Stunden lang so viel trinken kann, wie man möchte. Zusätzlich kommt nach und nach Essen an den Tisch. Hier habe ich dann auch das erste Mal die lokale Spezialität, Rinderzunge, probiert. Schmeckt ganz gut, die Konsistenz ist etwas gummiartig. An dem Abend habe ich viel mit meinen Kollegen und Kommilitonen geredet und ein wenig über alle herausgefunden.
Der älteste Professor, und damit der Chef der Gruppe, hat sich auch mit mir unterhalten und kommentiert, dass ich trotz meiner deutschen Wurzeln ja wenig Alkohol trinken würde. Schön zu sehen, dass sich solche Vorurteile auch nach Osten verbreiten ;-).

Selbstgekochtes Essen: Sobanudeln, Gemüse
und etwas Fleisch, das ich noch gewürzt habe.
Das ganze noch mit Sojasoße ablöschen und
man hat ein einfaches, schmackhaftes
Abendessen.

Ein Kirschbaum an dem Osaki-Hachiman-Schrein,
der sogar halb das zweite Eingangstor ver-
deckt. Anscheinend war auch kurz vorher eine
Zeremonie dort, es sind nämlich ein paar Miko
(die Schreinverwalterinnen) herumgelaufen.
Von denen konnte ich aber leider kein Bild
machen.
 Am Tag darauf war dann die Willkommensfeier des Wohnheimkomplexes. Wir wurden wild durchgemischt und mussten ein Quiz bestreiten, bei dem meine Mitstreiter überfordert waren, die Fragen zu übersetzen. Entsprechend haben wir nicht besonders gut abgeschnitten, die Gewinner durften sich etwas von einem Preistisch aussuchen. Danach gab es dann die japanische Version eines Büffets: große Teller mit Essen darauf und viele Essstäbchen. Kleine Teller gab es nur für das Curry, außerdem gab es frittiertes Hühnchen und Bohnen.
Da die Party pünktlich um 21:00 endete, sind wir dann noch in eine nahe Bar gegangen. Dort hat eine andere Deutsche dann einen Doktoranden getroffen, der in ihrer Gruppe arbeitet. Er ist aus Nigeria und hat uns viel über Japan und sein Heimatland erzählt.
Am Montag gab es dann Informationen zu dem Sprachprogramm hier, was einen eigenen Post füllen würde. Kurz gesagt: ich muss noch warten, bevor ich weiß, ob ich den Sprachkurs der Uni in Anspruch nehmen kann. Danach ging ich dann in meine erste japanische Vorlesung.
Da ich 4 Credit Points belegen muss und nicht weiß, ob ich den Sprachkurs nehmen kann, schaue ich mir diese Woche verschiedene Vorlesungen an. Das sind alle fortgeschrittene Mastervorlesungen, da COLABS ein Masterprogramm ist. Die erste war "Electrodynamics of Solids", darin geht es um lineare und nichtlineare Antworten von Festkörpern auf einfallendes Licht. Was wir aber in der ersten Vorlesung gemacht haben, war ein paar Größen zu definieren und die Maxwellgleichungen aufzustellen. Für die Nichtphysiker: Das sind die Gleichungen, die das klassische Verhalten elektromagnetischer Strahlung (also Licht) komplett beschreiben. Das was wir da gemacht haben, war Stoff des zweiten Semesters im Bachelor an der Uni des Saarlandes.
Und es war nicht nur eine Wiederholung, sondern sehr ausführlich. Der Professor hat auch öfter Fragen gestellt, auf die die anderen Studenten nie reagiert haben. Irgendwann habe ich mich halt gemeldet, weil ich es nicht mehr aushielt ^_^''.
Die zweite Vorlesung, die ich heute gehört habe, war jedoch noch schlimmer. Der Stoff an sich war zwar etwas fortgeschrittener (5. Bachelorsemester), aber das habe ich auch schon alles zuhause gemacht. Zusätzlich hat dieser Professor in sehr stark stockendem Englisch nur die Folien vorgelesen, die wir auch am Anfang als Ausdruck bekamen. In dieser Vorlesung (Advanced Theory of Electrons in Solids) geht es um Elektronen in Festkörpern und verschiedene Phänomene, die die Wechselwirkung zwischen Elektronen und Kristallstuktur bewirkt.
Am Donnerstag kommt dann eine Biophysikvorlesung, hier bin ich mal gespannt, ob ich was verstehe, da mein biologischer Hintergrund gegen Null geht. Und am Freitag Hochenergiephysik sowie Planetenkunde, auf diese setze ich im Moment ein wenig meine Hoffnung, dass sie mir gefallen werden. Übungsaufgaben werden übrigens vereinzelt in der Vorlesung verteilt und waren bisher nur Sachen, die in 15 Minuten machbar sind.
Am Montagnachmittag war ich dann noch mit meiner Arbeitsgruppe auf dem Hanamifest. Das war in dem Fall ein Verbund verschiedener Festkörperphysikgruppen, es gab Essen, Trinken und Konversation. Hier habe ich sehr viel mit Yusuf geredet, der auch aus Nigeria kommt und in Sendai bald mit seinem Doktor anfängt. Der Gute hat eine ganz schön internationale Laufbahn hinter sich :-D. Morgen ist dann das erste Gruppenseminar, mal schauen, wie das so abläuft.

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